Current time: 21.11.2017, 07:31 PM Hello There, Guest! (LoginRegister)


Post Reply 
 
Thread Rating:
  • 0 Votes - 0 Average
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Interview mit Frank Bornemann zur CD
06.12.2013, 10:47 AM
Post: #1
Interview mit Frank Bornemann zur CD
Zum Anlass der Veröffentlichung des ELOY Live-Doppelalbums „Reincarnation on Stage“ hat Achim Bernsee Bandleader Frank Bornemann zu den aktuellen Ereignissen um die Band, zur Tour und zum Album befragt.

Nach einer völligen Abstinenz von 11 Jahren, die eher vermuten ließ, dass es die Band gar nicht mehr gibt, kam 2009 mit „Visionary“ überraschend wieder ein ELOY Studio-Album auf den Markt. Die unerwartet starke Reaktion auf den plötzlichen Return der Band zeigte dann mehr als deutlich, dass die Band keinesfalls in Vergessenheit geraten war. Im Gegenteil, trotz der enorm langen Zeit ohne jegliche Aktivität, die zwischen dem Release von „Ocean 2“ und „Visionary“ lag, wurden die Portale des Internet als Forum von einer über die ganze Welt verteilten, äußerst aktiven Fangemeinde genutzt.

Unermüdlich wurde eine Hommage nach der anderen für die Band platziert, die für viele Progrock-Fans zu den besten ihres Genres zählt. ELOY wurde quasi in Abwesenheit zu einer Art Legende, deren musikalisches Vermächtnis es zu erhalten galt.

Die Wertschätzung für das musikalische Werk der Gruppe beschränkte sich allerdings nicht nur auf besonders euphorische Fans, sondern fand seinen Ausdruck ebenso in erstaunlich hoher Aufmerksamkeit, welche der Band auch von medialer Seite, gerade im Ausland und sogar in Übersee, zuteil wurde. Selbst in Deutschland hagelte es zahlreich positivste Resonanzen. Eine faustdicke Überraschung, wenn man bedenkt wie gespalten man ELOY als Flaggschiff des deutschen Progrock von Seiten der hiesigen Medien während der Blütezeit ihrer Karriere gegenüber stand.



Hier sind die Fragen und Antworten:

Frank, als sich die Gruppe, mitgerissen und tief beeindruckt von solcher Wertschätzung, schließlich entschloss, im Sommer 2011 auf den zwei großen Festivals Loreley „Night of the Prog“ und „Herzberg“ aufzutreten, wirkte das wie ein Dammbruch. Wie hat sich das angefühlt 2012 wieder auf Tour zu gehen und was ging Euch dabei durch den Kopf?

F.B:
Auf der Bühne zu stehen und live zu spielen ist immer ein ganz besonderes Erlebnis, erst recht dann wenn Du von einer guten Band umgeben bist und vor ein enthusiastisches Publikum tritts.

Zunächst aber mal war es eine gewaltige Herausforderung eine Setlist aufzustellen, mit welcher wir die sicherlich hohen Erwartungen erfüllen können, die nach den beiden Shows jetzt an uns gestellt würden. Schon auf der Loreley und in Herzberg hatten wir ja mit 2 Std. Programm einen für Festivals relativ langen Auftritt mit Werken aus allen Dekaden hingelegt. Doch es war uns bewusst, dass wir auf einer Tournee bei der wir ausschließlich vor eigenem Publikum spielen würden, noch eine Schippe drauflegen und andere Schwerpunkte setzen müssen. Dabei ging es mir persönlich vor allem darum, eine Repertoire-Retrospektive zu bieten, die einerseits ganz und gar auf unsere Fans zugeschnitten ist, und somit auch weit in die siebziger Jahre zurück reichen, andererseits in ihrer Zusammensetzung aber auch musikalisch passen muss. Wenn man auf so viele Alben zurückblicken kann, steht man dabei vor einer fast unlösbaren Aufgabe.

Eine weitere Herausforderung war es auch insbesondere das frühe Material im authentischen Soundgewand rüberzubringen und die Songs aus neuerer Zeit mit all den technischen Klangdetails so aufzuführen, dass es einem Vergleich mit den Studioaufnahmen standhält.

Um das zu schaffen brauchte es ein besonderes Line up, welches auf jeden Fall und erstmalig in der Geschichte der Band, aus sechs Musikern bestehen musste. Viele Bands behelfen sich ja heutzutage zunehmend in solchen Situationen mit Gastmusikern, was aber für mich bei ELOY nicht infrage kam. Ich wünschte mir eine Bühnen-Formation, in der alle Musiker entweder aktuell oder zu einer früheren Zeit echte Mitglieder der Band waren.

Als sich in diesem Zusammenhang die Chance bot, Hannes Folberth als zweiten Keyboarder wieder in die Band zu holen, und Steve Mann, welcher uns schon auf unserer Anniversary-Tour 94/95 begleitet hatte und auf dem „Ocean 2“-Album zu hören ist, als zweiten Gitarristen für die Konzerte zu gewinnen, rückte das alles dann in greifbare Nähe. Auch bzgl. der Harmoniestimmen sollte es das Original sein. Und so standen mit Tina und Anke auch die beiden Sängerinnen auf der Bühne, welche auf den Studioaufnahmen zu hören sind. Problematisch wurde es allerdings, als wir beschlossen auch mit „The Apocalypse“ und „The Tides return forever“ zwei Konzertschwerpunkte so authentisch aufzuführen, dass sie das Publikum wirklich berühren würden. Bei den beiden Titeln gibt es ja auf Platte zwei sehr unterschiedliche solistische Beiträge von Gastsängerinnen, die, jede für sich, wahrlich outstanding waren. Somit sind gerade diese Momente im Song auch unverzichtbar für eine überzeugende Darbietung auf der Bühne.

Als wir nach mühevoller Suche schließlich mit der erst 22 Jahre jungen Alexandra Seubert eine Sängerin fanden, die den fast unmöglichen Spagat zwischen den Stilwelten dieser beiden Titel hinbekam, waren wir erleichtert und fühlten uns gerüstet für die gewaltigste Tour, die wir jemals gemacht haben.

Bei den Konzerten fiel auf, dass Ihr Euch bzgl. der Songarrangements und im Sound der Instrumente sehr detailgetreu an das Original auf den Alben gehalten habt. Sogar die früheren Werken z.B. von Power & the Passion, Dawn, Ocean, Silent Cries & Mighty Echoes, aber auch Colours oder Planets/Time to Turn klangen wie eine Zeitreise in die jeweilige Epoche. Die Live-Dokumentation auf der Doppel-CD, wo man ja noch tiefer in das Klangbild hinein hören kann, bestätigt diesen Eindruck. War das so beabsichtigt?

F.B:
Ja, das war unser Ziel! Wir wollten in der Tat mit dieser Retrospektive unsere Fans auf eine Zeitreise mitnehmen, bei der lediglich die Qualität der Tonanlage der heutigen Zeit entspricht.
Alles andere sollte so original wie möglich klingen und rüberkommen. Hierzu benutzten die Keyboarder sogar die Synthesizer aus den 70er und 80er Jahren, ich selbst analoge
Effektgeräte für die Gitarre, und Bodo hielt sich schon fast akribisch an die Drumkonzepte seiner Vorgänger in der Band.

All das war besonders wichtig, weil wir uns erstmals seit 1979 wieder daran gemacht hatten, mehr von unserem größten Erfolg, dem Album „Ocean“, zu spielen, als immer nur „Poseidon’s Creation“. Die Möglichkeit, mit zwei technisch voll ausgerüsteten Keyboardern auf der Bühne zu agieren, erlaubte es zudem sogar, viele kleine aber feine klangliche Facetten, die auf den Platten gut zu hören sind, erstmalig auch live umzusetzen. Das galt natürlich auch für die Gitarren. Was im Studio einst mit Overdubs recorded wurde, konnte nun live auch stattfinden.

Euer Live-Doppelalbum ist, wie schon das 78er Livealbum, eine Kopplung von Aufnahmen, die von verschiedenen Konzerten stammen. Warum habt Ihr nicht einfach ein Konzert in Bild und Ton mitgeschnitten und eine Live DVD/CD veröffentlicht?

F.B:
Es gab eine ganze Kette von Problemen, die das verhindert hatten. Obwohl wir jeden Abend auf der Tour zumindest audioseitig mitschneiden wollten, war es durchaus geplant, in unserer Heimatstadt Hannover Bild und Ton für eine DVD aufzunehmen.

Bekanntlich fiel meine Stimme in Köln, genau zwei Tage vor dem Konzert in Hannover, komplett aus, so dass die Kölner Show zum zweiten Mal abgesagt werden musste. Im Frühjahr 2012 musste ja die gesamte Frühjahrstour wegen meines schweren Unfalls abgesagt und auf den Herbst verschoben werden. Die Absage in Köln im gefüllten E-Werk kurz vor Konzertbeginn durch die komplett auf der Bühne versammelte Band, war einer der deprimierendsten Augenblicke meiner langen Musikerkarriere. Aber es ging wirklich nichts mehr!

Zwei Tage später, und nach intensiver ärztlicher Behandlung, war meine Stimme noch immer
untauglich. Angesichts meines katastrophalen Zustands und in höchster Wahrscheinlichkeit, dass ich das Konzert in Hannover auch nicht bestreiten kann, wurde der DVD-Mitschnitt abgesagt und das Kamerateam ausgeladen. Die Tatsache, dass ich dann doch am Abend des Konzerts auf der Bühne stand und mich durch die Show krächzte, ist hoher ärztlicher Kunst und der Hilfe von Alexandra zu verdanken, die mir als Vocalcoach diverse Tricks vermittelte, mit denen ich letztlich irgendwie das Set durchstand. Ebenso hilfreich war an jenem Abend die Unterstützung des Publikums, welches verständnisvoll meine eingeschränkte Vocalperformance tolerierte und rührend honorierte. Für einen Konzertmitschnitt auf DVD allerdings war das natürlich nicht zu gebrauchen.

Für die Nachhol-Konzerte wollten wir dann in Köln noch mal einen Anlauf nehmen und bestellten ein Kamerateam. Leider konnten wir für unser Konzert in Köln nicht das E-Werk bekommen, sondern mußten in das Gloria ausweichen, wo sich dann die örtlichen Bedingungen als äußerst hinderlich für einen Bildmitschnitt herausstellten. Die Aufnahmen, die wir dort versucht hatten sind für eine DVD bzgl. der Bildqualität nicht ausreichend. Somit verblieb nur noch Mannheim als letzte Gelegenheit für einen Kameramitschnitt, den wir dann noch „last minute“ zu organisieren versuchten. Leider verblieb nicht genug Zeit für die technischen Vorbereitungen, so dass auch dort wohl nur ein Teil der Aufnahmen bzgl. der Bildqualität verwertbar ist. Für eine komplette DVD in adäquater Qualität reicht es nicht, so dass wir planen verwertbare Passagen im Zuge einer neuen Auflage unserer „Chronicles“, allerdings in anderer Kopplung als bisher, mit zu veröffentlichen.

All diese Ereignisse ließen uns dann zu der Entscheidung kommen, das ganze Konzertprogramm auf einer Live-Doppel CD zu veröffentlichen, bei der wir uns dann aber auch die besten Versionen eines jeden Songs herauspicken wollten, die wir auf der Tour geboten hatten. Dabei hat sich die Wahl der Highlights auf verschiedene Locations verteilt, so dass somit auch fast alle Konzertbesucher mit dokumentiert wurden, die uns auf der Tour so euphorisch begleitet haben.

Eure Shows begannen alle mit einem Intro, welches sehr mystisch wirkte, und welches durch Dein Bühnenoutfit mit der venezianischen Maske noch verstärkt wurde. Jeden Abend hattest Du das Publikum mit dem Wort „Namaste“ begrüßt. Was bedeutet es?

F.B:
Es kommt aus dem hinduistischen Kulturkreis und am besten hat wohl Mahatma Gandhi seine Bedeutung beschrieben, als ihn Albert Einstein danach fragte. Hier ist es:

“Ich verbeuge mich vor dem Ort in Dir,
an dem das ganze Universum residiert.
Ich verbeuge mich vor dem Ort
der Liebe, des Lichtes, des Friedens,
der Wahrheit und der Weisheit in Dir.

Ich ehre den Ort in Dir, wo,
wenn du an diesem Ort bist und
auch ich dort bin,
wir beide nur noch eins sind”

Auch der Titel Eures Live-Doppelalbums „Reincarnation on Stage“ ist ungewöhnlich und klingt geheimnisvoll. Was verbirgt sich dahinter?

F.B:
Als wir begannen, diese enorm lange Show im Übungsraum mit den vielen Werken aus früherer Zeit zu proben, kam es mir mit jedem Tag so vor wie einst in den 70er Jahren, als die Band noch komplett aus Hannover kam und sich fast täglich getroffen hatte.
Hinzu kamen die authentischen Klänge der Songs aus ferner Zeit, deren Textzeilen ich noch immer nicht vergessen hatte, obwohl Jahrzehnte dazwischen lagen.

Mehr und mehr hatte ich den Eindruck, dass der einzigartige Spirit, welcher der Gruppe immer innewohnte und ihr erst das Besondere gab, mit jedem weiteren Probetag wieder in die Band zurückkehrte. Auf der Bühne schließlich steigerte sich das Ganze dann und führte zu einem unbeschreiblich euphorischen Zustand, von dem jeder in der Band mitgerissen wurde. Zusammen mit einem all abendlich sehr enthusiastischen Publikum entstand dann eine schon fast magische Atmosphäre, emotional geprägt, und von einem einzigartigen Wir-Gefühl getragen. So etwas hatte ich schon lange nicht mehr erlebt. Es war wie eine Wiedergeburt der Band, so wie ich sie in ihrer besten Zeit in Erinnerung hatte - und so etwas kann nur auf der Bühne passieren. Als dann ein Titel für die Live-Dokumentation gesucht wurde, fiel mir diese Überschrift ein, die all das ausdrückt, was ich soeben beschrieben habe.

Was genau erwartet uns nun auf „Reincarnation on Stage“?

F.B:
Das komplette Programm unserer Tour, und zwar incl. des Titels „Horizons“, den wir für die
zusätzlichen Konzerte im Januar 2013 mit in die Setlist aufgenommen hatten. Auch die Abfolge der Songs entspricht exakt dem Ablauf der Shows. Obwohl wir die Pausen zwischen den Songs nicht mit zu viel Ansprache gefüllt haben, weil das auf Platte letztlich beim Durchhören eher nervt, ist das Publikum natürlich voll mit von der Partie. Auch den immer wieder leicht unterschiedlichen Raumsound in den verschiedenen Venues kann man ausmachen, ist aber für das gesamte Hörerlebnis sicherlich eher interessant als störend.
Trotz sehr akribischer Mixarbeit im Studio ist doch die Lebendigkeit des Konzerts spürbar
und man fühlt sich wieder mittendrin im Geschehen. Auf den beiden CDs sind manche wahrhaft einzigartigen Versionen einiger Songs dokumentiert, die weit über simple Reproduktion hinausgehen.

Robin - [Eloy-Fanclub]
A star spangled sky is my roof tonight - the forests are my covers
Moon man the watcher with eye so bright - gives shelter like a brother
Find all posts by this user
Quote this message in a reply
16.12.2013, 07:33 PM
Post: #2
RE: Interview mit Frank Bornemann zur CD
einfach ein toller vorgeschmack auf die heiß erwartete doppel-cd vor dem weihnachtsfest, mit dem kleinen wermutstropfen der nicht realisierbaren dvd. sei's drum, freuen wir uns auf die musik und unsere erinnerungen sowie dann hoffentliich auf hier wieder regere diskussionsbeiträge über eloy!
Find all posts by this user
Quote this message in a reply
Post Reply 


Forum Jump:


User(s) browsing this thread: 1 Guest(s)


Contact Us | ELOY Legacy | Return to Top | Return to Content | Lite (Archive) Mode | RSS Syndication